71.Tag  Rivercrossing  8.6.

Um 5.30 Uhr stand ich auf und eine 3/4 Stunde später waren wir auf dem Trail. Heute morgen (und bis weit in den Nachmittag) regnete es. In der Zwischenzeit habe ich es recht gut im Griff. Alles wird im Zelt erledigt und das zusammenpacken des Zelt wird zuletzt und möglichst schnell gemacht. Es ging bergauf und bald kamen wir wieder in den Schnee. Meine reparierten Schuhe hielten recht gut. Mit der Regenausrüstung bin ich sehr zufrieden. Heute habe ich das erste Mal den Poncho übergezogen. Ich bin froh dass ich den dabeihabe. Ein unförmiges Kleidungsstück. Aber alles ist geschützt, inkl. Rucksack. Irgendwann kamen wir an einen grösseren Bach den wir überqueren sollten. ( etwa wie der Schils wenn er viel Wasser führt) Längere Zeit suchten wir eine geeignete Stelle. Schliesslich fanden wir Baumstämme über welche wir dann mit viel Herzklopfen gehen konnten. Der Weg führte uns durch den Lassen volcanic park. Es findet hier keine Waldnutzung statt und überall liegen Bäume kreuz und quer herum. Um den Mittag herum fiel so ein Baum direkt vor uns um. Der Schnee spritzte auf alle Seiten. Ich würde auch nicht mein Zelt in einer Waldregion aufstellen wo es Dürre Bäume hat. Durch die schwierigen Bedingungen sind wir heute nur etwa 17 Meilen weit gekommen, haben jedoch einen schönen Platz gefunden um zu kampieren. Bin müde.  

Der Lower Twin Lake. Alles noch gefroren.

Eigentlich sollten wir über diesen Bach. Wenn möglich ohne die Schuhe auszuziehen.

Das wäre eigentlich der PCT. Jetzt ein Bach.

Nach längerem suchen fanden wir 2 Baumstämme über welche wir den Fluss überqueren konnten. Gut konzentrieren und langsame Schritte sind notwendig.

70.Tag nach Drakesbad 7.6.

Gestern Abend fragte ich Billy ob er uns eventuell auf den PCT bringen würde. Er sagte zu. Billy wohnt für einige Zeit im Motel wo ich ebenfalls übernachte. Billy war Eisenarbeiter ist jetzt pensioniert, hat eben sein Haus in Chester verkauft unzieht nun zu seinen Verwandten in Maryland. Gestern Abend haben wir bis fast 10 Uhr abends mit Billy über das Leben und sein Leben gesprochen. Lange hat er auch an der Golden Gate Bridge in San Francisco gearbeitet. Heute ging es zunächst recht flach durch die Wälder. Ich hoffte auf wenig Schnee. Dieser Wunsch wurde erfüllt, es hat über 6000 Fuss noch Schnee aber der war kein grosses Problem. Das war die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht. Es hat überall Wasser und schon sind die Moskitos da. Kaum wartet man ein Moment und schon schwirren diese Blutsauger einem um den Kopf. Also ab jetzt kein T Shirt sondern ein langes Hemd und bei Bedarf das Moskitonetz. Den Moskitospray habe ich in meiner Bouncebox und an die komme ich erst übermorgen in Old Station. Am Abend bekamen wir noch ein Nachtessen in Drakesbad. Sie sind dort am Einrichten für die Eröffnung der Saison am Freitag. Das Personal war am essen als wir vorbeiliefen und so bekamen wir das gleiche Menü mit cheesecake als Dessert. Heute sind wir gut 19 Meilen gelaufen. 

Billy unser Chauffeur zurück auf den Trail.

Ein Deer. Nicht sehr furchtsam

69.Tag  Schuhreparatur 6.6.

Dienstag. 6.6. Habe in dem Motel in Reno gut geschlafen obwohl ein Lüftungs Ventilator direkt oberhalb von meinem Zimmer einen rechten Lärm machte. Vor dem Mittag war ich auf dem Flughafen von Reno. Danach ging es wieder zurück. Bis Susanville mit dem Mietauto und danach mit einem Trailangel nach Chester. Unterwegs kaufte ich mir noch shoe gloo. Damit reparierte ich am Abend dann meine Bergschuhe welche ich mit den Eiskrallen an 2 Orten beschädigt habe. Ich musste zuerst lernen mit den Dingern umzugehen. Hoffentlich sind die Schuhe danach auch wieder dicht. Zuhause würde ich die Schuhe zum Schuhmacher Galante in Mels bringen. 

Skulptur mit Skifahrer auf dem Flughafen in Reno.

Mein kleines Mietauto irgendwo zwischen Susanville und Reno.

68. Tag. Ausflug nach Reno 5.6.

Heute wollte ich nach Reno um Candido abzuholen. Das sind rund 130 Meilen. Aber wie? Mit einem Auto. Sollte kein Problem sein eines zu mieten. Über Umwege hab ich erfahren dass der örtliche Garagist ein Auto zu vermieten hat. Ich rief dort an und sie sagten mir ein Auto zu, ich könne vorbeikommen. Als ich dann dort war suchten sie das Mietauto. Es war nicht vorhanden. Also retour zum Motel. Eine Stunde später ein Anruf, dass das Auto nun da sei. OK wieder zur Garage nur um danach zu erfahren, dass ich irgendein Versicherungsformular nicht bei mir hatte. Wieder nichts. Dafür gab mir jedoch der Garagist eine Nummer von einer Autovermietung in Susanville und organisierte sogar einen Fahrer der mich die knapp 28 Meilen dorthin brachte. Dort klappte es dann auch ohne dieses Formular. Reno und Umgebung ist eine Stadt mit ca. 400000 Einwohnern. Viel grösser als ich erwartet hatte. Am späteren Nachmittag und Abend  hatte ich Zeit um die Stadt anzuschauen. Eigentlich ist Reno die kleine Version von Las Vegas. Im Parterre von diversen Hotels hat es riesige Hallen mit den verschiedensten Glücksspielautomaten. 

Der Truckee River der durch Reno fliesst mündet schlussendlich in den Pyramid Lake welche keinen Abfluss mehr hat. Alles Wasser verdunstet.

So viele Spielautomaten habe ich noch nie gesehen.

Dieser Herr ist zuständig für die Sauberkeit in der Toilette.

Alles leuchtet in der Nacht in den verschiedensten Farben.

67.Tag  nach Chester 4.6.

Nach einem guten Kaffee bei Familie Shepard ging es weiter über Waldwege in Richtung Chester. Unterwegs fand ich auch heraus was über Nacht so ein Krach gemacht hat. Es war ein Wasser Kraftwerk. Vermutlich weil es in Kalifornien eher trocken ist bauen die keine Halle über die Turbine. Habe ich hier ein paar mal so gesehen. Keine Ahnung warum diese Maschine hier einen solchen unregelmässigen Krach macht. Das habe ich in der Schweiz noch nie gehört und war schon in vielen Kraftwerken. Nach Mittag war ich schon in Chester und habe auch ein gutes Motel gefunden. 

Wasserkraftwerk

66.Tag  Ausweichroute  3.6.

Am Morgen verliess ich das Hotel ohne Frühstück. Da ich wegen dem vielen Schnee auf eine Ausweichroute mit hoffentlich keinem Schnee gehe kann ich nicht mit den PCT Apps auf meinem Natel navigieren. Im Hotel habe ich mir die Karten der Umgebung aufs Natel geladen und mit der Karten App auf dem I phone weiss ich genau wo ich bin. Funktioniert gut. Der Einstieg in den neuen Weg verlief zwar recht harzig. 2x lief ich falsch und erst beim 3x klappte es. Ich gehe eigentlich gerne neue oder andere Wege. Manchmal muss man jedoch die Gnade haben und umkehren wenn es nicht geht. Nach ein paar Meilen kam ich zu einem kleinen Restaurant mit Laden. Also eher ein besserer Kiosk mit ein paar Tischen. Dort kam ich ins Gespräch mit einem Mann. Er war Fischereikontrolleur. Er fand das so super dass ein Schweizer eine so verrückte Wanderung von Mexiko nach Kanada macht, dass er mir einen guten amerikanischen Zmorge offerierte. Eier, Speck, Rösti, Toast und viel Kaffee. Der Weg war für mich insbesondere interessant da er an diversen Wasserkraftwerken und Staustufen vorbeiführte. Da der Weg teilweise auf Nebenstrassen verlief traf ich auch mehrmals Leute. Irgendwie hatten die oft Mitleid mit mir. ( ich muss wieder einmal in einen Spiegel schauen) ich bekam Wasser und Sportgetränke und am Abend wurde ich auf einem Campingplatz zum Znacht bei Familie Rand + Kristi Shepard eingeladen. Anschliessend gab es noch eine recht interessante politische Diskussion. Hier auf dem Land sind die Leute recht konservativ. ( ich eigentlich auch ) Und für den Campingplatz musste ich beim Campingwart auch nicht bezahlen. Das war wirklich ein guter Tag heute. 

Hier ist vieles grösser. Sogar die Tannzapfen.

Familie Shepard mit der Grossmutter. 88 jährig.

Hier überquert eine Druckleitung ein kleines Tal. Auf der einen Seite hinunter und auf der anderen wieder hinauf. Im nächsten Tal wird dann das Wasser turbiniert.

 

65.Tag  nach Belden 2.6.

Heute ging Eco zurück an die Arbeit. Er geht nach Oregon. Dort kenne er jemand der Arbeit anbietet. Er hat schon länger geklagt, dass er eher knapp bei Kasse sei. Dann ist es wohl besser zu arbeiten. Ich bin mir nur nicht ganz sicher ob er legal überhaupt arbeiten darf in den USA. Auf dem PCT habe ich jedenfalls noch nie jemand getroffen der die Hiker kontrolliert ob sie legal im Land sind. Von Quincy aus versuchte ich nun allein nach Belden zu gelangen. Zuerst zu Fuss. Das ist jedoch gar nicht so einfach. Es gibt keine Wanderwege und eigentlich auch keine Nebenstrassen. Also versuchte ich es ab Nachmittag per Autostop. Nach längerem stoppte dann Michelle. Sie ist seit ein paar Wochen sehr am Glauben und Gott interessiert. Ich freue mich für sie und denke es tut ihr auch gut. Wir hatten eine sehr interessante Diskussion. Leider musste sie dann nach einiger Zeit in eine andere Richtung und ich stand wieder auf der Strasse. Nach einer Stunde warten nahm mich dann eine andere Frau mit. Eigentlich kam sie nur an diese Strassenkreuzung um die Tochter abzuholen und ihr Ziel wäre retour zu Quincy. Sie fuhr mich jedoch die ganzen 13 Meilen nach Belden. Dort wartete sie auf mich bis ich wusste dass es auch noch freie Zimmer hat. Im Notfall hätte ich mit ihr zurück nach Quincy gehen können. Ich wollte jedoch nicht zurück und hätte eher im Zelt übernachtet. Die Leute hier sind recht herzlich und so wurde ich noch umarmt und verabschiedet. Belden gilt als Dorf. Es hat etwa 30 Einwohner 

Überwegs gab es allerhand alte Fahrzeuge zu bestaunen.

Das Hotel in Belden. Sehr schöne Zimmer und ein ganz rustikal eingerichtetes Restaurant.

64.Tag Bärentag 1.6.

Zum Glück sind meine Kleider trocken. Die Regenjacke und Regenhose waren zwar recht teuer aber haben sich gestern gut bewährt. Das mit den Schuhen ist etwas anderes. Mit trockenen Socken in die nassen kalten Schuhe. Am besten danach sofort herumlaufen damit alles ein wenig warm wird. Um nach Quincy zu kommen mussten wir Richtung Nord – Ost laufen. Zuerst quer durch den Wald und danach auf Waldwegen. Am Nachmittag stiessen wir dann auf einen Campingplatz. Heute war Bärentag. Am Morgen sah ich meinen ersten Bären. Das heisst er sah mich zuerst. Plötzlich rannte ca. 50m vor mir ein Schwarzbär in einem riesen Tempo den Hang hinunter. Keine Chance ein Bild zu machen. Nur staunen. Wir fanden danach noch viele Bärenspuren im Schnee. Es war dort ein recht idyllischer Ort mit viel Wasser und sogar ein wenig Gras zwischen dem Schnee. Am Nachmittag, wir hatten auf den Campingplatz etwas gegessen, ich hatte mein Gepäck bereits auf dem Rücken. Da sah ich vorne auf der Strasse ein Bär in aller Ruhe vorbeilaufen. Möglichst ohne Lärm eilten wir hintennach. Ich wollte ein Bild von diesem Bären machen. Er lief recht gemütlich vor uns auf der Strasse und wir dahinter. So kamen wir immer näher und näher. So nahe, das Eco stehenblieb und nicht mehr weiterwollte. Als ich das Foto machte drehte er sich noch um, hatte aber keine Eile zu gehen. So ganz geheuer war mir nun die Sache auch nicht. Erst als ich zu rufen anfing und mit den Armen gestikulierte verschwand er schnell zwischen den Bäumen. Es ist eine Sache im Auto zu sitzen und ein Bär zu beobachten, aber etwas ganz anderes mit dem Rucksack auf dem Rücken einem Bär so nahe zu kommen. Jedenfalls für mich. 

Bär in der Nähe vom Campingplatz

In dieser Gegend fanden wir viele Bärenspuren und auch der erste Bär war hier.

Überall frische Bärenspuren.

63.Tag. Regen und Eis 31.5.

Um 4Uhr läutete der Wecker und eine 3/4 Std. später waren wir unterwegs. In der High Sierra war am Morgen früh alles gefroren. Hier nicht mehr. Der ganze Schnee war schon um morgens um 5 Uhr weich und mehlig. Dennoch schafften wir heute mehr als 15 Meilen. Jedoch mit welchem Einsatz. Die High Sierra war hart. Dort gab es jedoch oft weite Flächen und am Morgen harten Schnee. Jetzt ist alles weich und viele schräge Hänge welche man queren muss. Eco hat Mikro Spikes anstatt richtige Eiskrallen, wobei diese im weichen Schnee auch nicht das richtige sind. Eco ist zwar 20 Jahre jünger als ich, hat jedoch in den schrägen Hängen Angst und kommt entsprechend auch nicht vorwärts. Am späteren Nachmittag beschlossen wir nach rechts in die tieferen Berge auszuweichen und so nach Quincy zu kommen. Eco meinte. “ please, no more snow“ Über 5500 Fuss ist kein vernünftiges durchkommen möglich. Von den Winterstürmen und den Lawinen liegen auch noch kreuz und quer ganze Bäume im Wald. Auch das navigieren gestaltet sich schwierig. Es ist kein Weg sichtbar. Heute hat es zudem noch den ganzen Tag geregnet und wir hatten viel Nebel. Alle 100 – 200 m muss man schauen dass man ungefähr die Richtung halten kann. Jetzt Zelten wir auf einem Waldweg zwischen Schneewächten. Der Schlafsack ist nass geworden. Es gibt bessere Tage. 

Von oben der Regen. Unten schmilzt der Schnee. Man muss sehr aufpassen dass man nicht über einen Bach läuft ohne es zu bemerken. Man kann sehr leicht im Eis einbrechen.

Am Morgen früh hatten wir noch keinen Regen. Der Schnee war sehr weich.

62.Tag  in den Schnee 30.5.

Sierra City ist nicht eigentlich eine City. Es ist eine Ansammlung von Häusern im Wald entlang einer Strasse. Sehr schön gelegen in einem kleinen Tal mit einem Fluss. Es hat sogar ein Post Office welches meistens von 10 Uhr bis halb 3 Uhr am Nachmittag geöffnet hat. Der Postbeamte ist sehr freundlich und hilfsbereit, musste aber wegen unseren Paketen jede Kleinigkeit bei seiner Chefin per Telefon nachfragen. Als Verkehrsmittel werden hier hauptsächlich Subarus und Pickup Tracks verwendet und überall hat es Snow Mobiles. Alles in allem eine sehr ländliche Gegend. Mir hat es hier gut gefallen. Als wir dann um 11 Uhr alles erledigt, und die Pakete weitergeschickt hatten, gingen wir mit unseren schweren Rucksäcken an der Methodisten Kapelle vorbei in die Berge. Nur Bergauf. Von 4170 Fuss auf 7570 Fuss. Es hat immer noch viel Schnee auf dem Trail. Teilweise über 3 Meter. Mit jedem Tag schmilzt ein kleiner Teil davon. Überall fliesst Wasser. Manchmal sind die Wege eher ein Bach als ein Weg für Mensch und Fahrzeug. Am Abend kampieren wir auf einem kleinen steinigen Fleck ohne Schnee. Es hat sogar ein kleiner See im Wald welcher auch langsam am auftauen ist. Heute haben wir gut 13.5 Meilen geschafft. 

Es hat wenig Verkehr. So kann der Schulbus auf der Strasse warten um die Kinder einsteigen zu lassen.

Unsere Wasserbezugsort vom ersten Abend.

Der einzige schneefreie Platz weit und breit.