143.Tag  zum Stevens Pass 19.8.

Heute wollte ich bis zum Stevenspass laufen. Ich habe mit Mary (Badger) abgemacht dass sie mich heute Abend hier abholt und ich 2 Tage bei Ihrer Familie wohnen kann. Ich kenne sie von Südkalifornien. Sie ist dort einige 100 Meilen auf den PCT gelaufen. Ich habe keine Ahnung wo sie wohnen. Um halb 2 Uhr war ich jedoch schon dort und dies obwohl ich sicher eine halbe Stunde lang Huckleberry (amerikanische Heidelbeeren) gesammelt habe. Die sind jetzt recht reif und sehr süss. Ich habe mit Mary vor 9 Tagen per SMS abgemacht und sie kam dann auch wie abgemacht mit Randy ihrem Mann zu diesem Pass. Die Fahrt danach war dann weiter als ich gedacht hätte. Fast 2.5 Stunden fuhren wir in Richtung Südosten nach Moses Lake. Eine Stadt in der Wüste mit ca. 20000 Einwohnern. Überrascht war ich, dass diese Leute in einem Wohnmobil leben. Aber alles sehr sauber und freundlich eingerichtet. Ins Bett kam ich daher erst nach Mitternacht. Ich hatte jedoch ein eigenes Wohnmobil. Nicht schlecht. 

Salvatore links und ich zwischen seinen Kollegen

Huckleberry zum Znüni.

142.Tag  Glacier Lake 18.8.

Die beiden Bayern wollten es langsamer angehen als ich. Die beiden schliefen noch tief als ich mich auf den Weg machte. Nach einigen Meilen machte ich bei einem Bach halt für mein Zmorgä. So kann ich mir das Wasserschleppen ersparen. Unterwegs lernte ich noch Salvatore aus Mexiko kennen. Er war mit 2 anderen Mexikanern für rund 100 Meilen auf dem PCT. Im Gegensatz zu den beiden anderen Gesellen war er recht schnell unterwegs und musste dann am späteren Nachmittag jeweils lange warten bis die anderen nachkamen. Es ist schon interessant. Ich verlasse mich inzwischen recht viel auf die Sonne zur Orientierung und Richtungsbestimmung. Das hätte ich mich früher nicht getraut. Am Morgen geht die Sonne im Osten auf. Also meistens rechts von mir und wandert dann im Verlauf des Tages nach hinten um dann am Abend nach links. Das heisst nach Westen. Je nachdem wie gerade es nach Norden geht. Am späteren Nachmittag kam ich an einen See mit anderen Hikern. Ich entschloss mich jedoch noch einen Pass weiter zu gehen um eventuell bis zum Glacier Lake zu laufen. Dort war ich dann allein. Ein schöner Platz am See für mich allein. Beim einschlafen bemerkte ich noch ein Chipmunk, ein Streifenhörnchen in meinem Rucksack. Also alles ins Zelt. Die sind recht frech. 

Sogar ein WC hatte ich hier.

141.Tag  Schlangensee  17.8.

Zur Zeit laufen wir nur so ca. 19 Meilen am Tag. Das heisst für heute ausschlafen. Um 6.20 Uhr war ich jedoch wach und stand auf. Unser Tagesziel war der Waptus River. Einfach gesagt ging es zuerst in ein Tal hinunter. Auf der anderen Seite auf den nächsten Berg und wieder hinunter ins Tal. In Washington geht es nur hinauf oder hinunter. Ich lief allein und machte dann bei einem kleinen Bergsee Mittagshalt. Die beiden Bayern kamen recht lange nicht nach. Wie sich herausstellte hat sich Axel diesen Vormittag den Fuss verdreht und humpelte nun hintennach. Nach dem Essen ging ich noch ein wenig schwimmen. Da dah ich bei den Felsen am Ufer eine Schlange herumschwimmen. Blöde Situation. Zwischen mir und dem Ufer eine Schlange. Ich wollte so schnell als möglich aus dem Wasser und musste dann in dem kalten Wasser an eine andere Stelle am Ufer schwimmen.   

Recht eng auf dem Felsen aber eine schöne Aussicht.

Leo und ein nicht sehr scheues Deer.

140.Tag  Spectacle Lake 16.8.

Nach einem guten und grossen Frühstück im Restaurant beim Motel ging es wieder zurück auf den Trail. Die beiden Bayern waren bereits früher gestartet. Bis zum Mittag werde ich sie jedoch eingeholt haben. Am Morgen war das Wetter sonnig und warm. Eigentlich ging es den ganzen Vormittag nur nach oben. Nach oben laufen ist anstrengend. Ich kann in der Zwischenzeit mein Tempo jedoch über mehrere Stunden durchhalten und wenn ich oben ankomme bin ich recht schnell wieder erholt. Habe ja auch genügend Trainingskilometer hinter mir. Die Gegend hier ist sehr schön. Berge und kleine Seen. Weniger Wald. Am Nachmittag begann es wieder zu regnen, es wurde kalt und war neblig. Unterwegs traf ich einen Israeli der die Tour vor 2 Jahren schon einmal gemacht hat. Damals habe er dauernd Regen und Nebel gehabt und auch entsprechend nichts gesehen. Am Abend haben wir beim Spectacle Lake so auf einer kleinen Halbinsel am See übernachtet. Zum waschen ging ich noch kurz schwimmen. 

139.Tag  zum Snoqualmie Pass 15.8.

Früh am Morgen ging ich weiter. Die andern schliefen noch. Ich wollte heute bis zum Snoqualmie Pass kommen und das waren noch gut 23 Meilen dauernd hinauf und hinunter. Bis zum Mittag war ich beim Mirrorlake. Eigentlich ein See zum schwimmen. Ich wollte jedoch weiter und brauchte auch noch Zeit um meine Sachen, vor allem das Zelt zu trocknen. Beim Snoqualmie Pass angekommen fragte ich nach einem Zimmer im Motel. Kein Problem. Es war fast leer. Hier traf ich auch die beiden Bayern. Axel und Leo. Wir haben noch eine zeitlang miteinander gesprochen und dann beschlossen gemeinsam weiterzugehen. Wenn ich jeweils nur in einem Motel schlafe muss ich recht Gas geben um alles zu erledigen dass ich am nächsten morgen wieder rechtzeitig zurück auf den Trail gehen kann. Duschen, Wäsche waschen und tumblern, einkaufen, Ausrüstung instandstellen, und viel essen. 

Der Mirror Lake.

Der Twilight Lake

138.Tag  Whiskey auf dem Trail 14.8.

Am Morgen war Regenbekleidung angesagt. In Washington ist alles grün und wenn es geregnet hat ist man auf dem Trail innert Minuten komplett nass wegen den Pflanzen neben dem Trail. So langsam kam jedoch wieder die Sonne hinter den Nebelschwaden hervor. Unterwegs traf ich noch einen älteren Hiker welcher ich von Südkalifornien her kenne. Er war sehr langsam unterwegs. Ich fragte ihn damals, wohin des Weges. In einer Selbstverständlichkeit meinte er: Nach Kanada. Ziemlich weit für dieses Tempo. Und siehe da. Jetzt ist er hier. Kurz vor Kanada. Er hat jedoch ein riesiges Stück Trail übersprungen. Ich hab noch eine viertel Stunde mit ihm gesprochen. Er redete gerne, war aber recht trübselig. Er war so langsam dass niemand mit ihm lief und so war er meistens allein. Ich kann hier unmöglich wiedergeben welch trübselige Gedanken er hatte. Am späteren Nachmittag traf ich dann auf 2 Hikerinnen welche nur einen Abschnitt auf dem PCT laufen. Die waren weit weniger trübselig. Cortney und Maria. Sie wussten nicht genau wo die nächste Wasserstelle war und da konnte ich gut helfen. Wir beschlossen dann auch am gleichen Ort zu übernachten. Die beiden hatten sogar Whiskey dabei. Den tranken sie (wir) jedoch nicht bar. Sondern nur ein Schluck davon in den Tee.

Der Zeltplatz für die nächste Nacht ist ein alter Feldweg

Ein Selvie mit Michael.

137.Tag  Regen  13.8.

Mein Tagesziel war ca. 24 Meilen bei einer kleinen Quelle im Wald. Als ich jedoch um halb 6 Uhr dort ankam sah alles so trostlos aus. Ein dunkler kahler Wald, alles nass, der Nebel kroch durch die Bäume. Keine Menschenseele weit und breit. Kein wirklich einladender Ort. Als ich auf der Karte nachschaute sah ich, dass es in etwas mehr als 5 Meilen eine Blockhütte, einen Shelter gab. Also so schnell als möglich dorthin. Plötzlich war ich nicht mehr müde. Dort angekommen hatte es sogar noch andere Hiker und man konnte noch ein wenig reden miteinander. Einer warnte mich vor den Mäusen die sich in dieser Blockhütte sehr wohl fühlen. Und siehe da. Ich war noch am zusammenräumen unter dem Vordach als mir schon die erste Maus zwischen den Beinen hindurch ins Innere der Hütte rannte. Ich habe neben dem Ofen geschlafen und alles Material an der Wand oder an der Decke aufgehängt. Mein Essen hing an der Decke und ich hoffte dass die Mäuse es nicht finden werden. Beim einschlafen hörte ich noch wie die Mäuse den Balken entlang herumrannten und hoffte dass am Morgen nicht alles angefressen sei. 

Die Blockhütte und davor ein Hiker „detail“

136.Tag. William O. Douglass Wilderness. 12.8.

Am Morgen nach dem Zmorgä im Motel brachte mich Randi Nelson zurück zum Trail. Ich konnte während der Fahrt gut reden mit ihr und wir haben über allerhand diskutiert. Am Schluss verabschiedete ich mich per Handschlag. Sie meinte so gehe das nicht und umarmte mich und wünschte mir für die weitere Reise alles gute und kein Unfall. So startete ich um 8.30 Uhr auf den Trail nach Norden. Im Verlauf des Tages traf ich dann auf 3 junge Burschen bei einem Bach. Ich brauchte Wasser. Als ich sie fragte was sie den hier so machen erklärten sie mir dass es sich um eine 8 tägige survival Übung handle. Sie müssten ihr Essen selber aus der Natur suchen. Das letzte was sie gegessen haben sei ein Fisch von gestern Abend. Sie seien total 7 Jugendliche und 2 Betreuer. Diese jedoch hätten genug zu essen. Ob das so genau stimmt weiss ich nicht. Dem Verhalten der Jungen nach zu beurteilen stimmt die Geschichte. Einen der Erwachsenen Betreuer habe ich später noch auf dem Trail getroffen. Jedenfalls hatte ich genug zu essen dabei um ihnen etwas davon abzugeben. Ich hatte so nur weniger zu tragen. Bis am Abend machte ich 24 Meilen. 

Mein Zelt am See. Erst am Morgen sah ich das Schild „no Camping by the Lake“

Im Hintergrund der schneebedeckte Mount Rainier

Kein Vulkanausbruch. Nur die richtige Perspektive

Randi Nelsen eine gute und gesprächige Taxifahrerin.

135.Tag. Mount St. Helen 11.8.

Am Vormittag konnte ich noch mit der Familie Skypen. Am späteren Vormittag teilte mir der Motelbetreiber mit, dass ein Zimmer wegen einer Absage frei werde. Ich wollte sowieso erst am Nachmittag zurück auf den PCT und so sagte ich sofort zu, hier noch einmal zu übernachten. So hatte ich Zeit den Blog zu schreiben und meine Lebensmittel einzukaufen. Ebenfalls musste ich meine Hose noch flicken. Ich habe alles dabei. Stoffresten, Nadel, Zahnseide als faden. Die Motelbesitzerin fragte ich noch wegen dem Vulkanausbruch vom Mount St. Helen im Mai 1980. die Kleinstadt Packwood liegt recht nahe beim Vulkan. So ca. 30 bis 35km weg und für einen Ausbruch dieser Grösse war das dann doch recht nahe. Es habe an diesen Tagen fast 30 cm Vulkanasche geregnet. 

In diesem Restaurant habe ich zuerst ein sehr gutes Steak gegessen und danach noch „versucht“ an der Bar hinten mitzureden.

Eine Statue aus Holz zu Ehren von William Packwood. Ein Entdecker von dieser Gegend.

134.Tag  nach Packwood 10.8.

Heute wollte ich bis zum White Pass, ca. 26 Meilen. Es ging total über 3 Berge und Pässe. Zuerst auf den Cispus Pass danach zur Knifes Edge und zu guter letzt noch über einen Berg dessen Name ich nicht kenne. Nur die Höhe. 6550 Fuss. Die Knifes Edge ist einer der Höhepunkte am PCT. Es geht über einen Bergkamm und man hat eine super Aussicht auf alle Seiten. Beim Aufstieg hat es noch grosse Schneefelder und bei einem Nordhang muss man noch sehr steile Schneehänge durchqueren. Ich glaube vor 4 Monaten hätte ich eine riesen Angst gehabt,  es zu tun. Heute machte mir das gar nichts aus. Vor dem 3. Berg war ich recht müde. Wasser bekam ich nur aus einer kleinen Pfütze welche ich mit Fröschen teilen musste. (Wasser mit Froschgeschmack, etwas neues) ich brauchte ca. 2.5 Liter für die 11.5 Meilen hinauf und wieder hinunter zum White Pass. Auch hatte ich Rückenweh. Vermutlich habe ich mich erkältet. Ich glaube nicht, dass es die Belastung durch den Rucksack ist. Eigentlich lief nur noch mein Kopf. Die Beine und die Füsse waren viel zu müde. Ich kam mir vor wie früher bei einem Eilmarsch im Militär. Der Körper würde aufhören, wenn da nicht der Kopf wäre. Also ich war schon kurz nach 17 Uhr beim White Pass und bekam von einem Seilbahn Mitarbeiter auch eine Mitfahrgelegenheit nach dem 22 Meilen entfernten Packwood. Dort erwartete mich die nächste Überraschung. Das Hotel Packwood wo ich übernachten wollte war komplett besetzt. Beim 2 Motel war ein Kind auf dem Office. Niemand Verantwortlicher war aufzutreiben. Also weiter zur letzten Möglichkeit. Einer Lodge. Dort angekommen sagte mir der Besitzer dass alles besetzt sei. Das waren aber sehr schlechte Info. Ich habe dann noch ein wenig nachgefragt was für Möglichkeiten ich noch habe. Also bot er mir an dass ich duschen könne und die Wäsche waschen. Ich könne mein Zelt auf der Wiese hinter der Lodge aufstellen. Als ich schon am Zelt aufstellen war kam seine Frau und bot mir mir an im Technikraum zu schlafen. Sie hatten dort sogar ein Notbett. So hatte ich schlussendlich eine super Unterkunft und erst noch günstig. Für alles inkl. Wäsche waschen habe ich 20 Dollar bezahlt. Hier komme ich wieder einmal vorbei. 

Mein Schlafzimmer im Technikraum der Cowlitz River Lodge in Packwood.

Knifes edge

Überall noch Schnee und das fast Mitte August.