150.Tag  träumen vom Essen 26.8.

Viele Gespräche der beiden Brüder „Skipper and Gilligen“ aus Bayern drehen sich ums essen. Ich bekomme Hunger wenn ich den beiden zuhöre. Was sie alles kochen oder selber herstellen möchten. Von Käse bis Trockenfleisch. usw. Es ist klar, auch wenn ich inzwischen auf dem Trail viel mehr esse als am Anfang, bekomme ich nie die benötigten Kalorien. Also in Stehekin werde ich essen was hineingeht. Wir machen dort auch einen zero Day und darauf freue ich mich. Vor allem aufs Essen. Heute liefen wir 20.7 Meilen und mehr als 6500 Fuss Höhendifferenz. Immer entweder hinauf oder hinunter. 

Mein Mittagessen. Rahmen (Nudeln) mit zerkleinerter Sommersausage. (ähnlich einer weichen Salami) und Hünerbrühe mit Brotbrocken. Daneben immer Wasser.

Blick hinauf zum Glacier Peak.

Der Mica Lake

Wieder einmal auf einem Pass. Den Schnee immer noch nahe und das Ende August.

149.Tag  Glacier Peak 25.8.

Als ich heute morgen aufbrach hatte es zum ersten Mal Frost. Es wurde mir wieder einmal bewusst wie lange meine Wanderung nun schon dauert. Die Tage werden kürzer und hier oben auch wieder kälter. Ich denke es ist auch möglich dass wir beim nächsten Wetterumschwung auch Schnee haben könnten. Viel Schnee vom letzten Winter ist noch nicht geschmolzen. Oft laufe ich an Schneefeldern vorbei. Die letzte Nacht war kalt. Seit langem hatte ich wieder einmal eher zu kalt in der Nacht. Mit allem was ich dabeihatte habe ich mich im Schlafsack gegen die Kälte geschützt. Gegen Abend sah man den nächsten Berg immer besser, den Glacier Peak. Wir haben sogar ein kleines Lagerfeuer gemacht und erfuhren erst später dass das hier scheinbar verboten ist. Diesen Tag 20.9 Meilen mit vielen Höhenmeter gelaufen. 

Ein neugieriges Marmot


Beim lake Sally Ann

2 gute Hikingpartner. Axel und Leo aus Bayern

Die bücke ist in der Mitte zerbrochen. Trotzdem besser als keine Brücke. Man kommt gut über den Bach.

148.Tag  frischen Fisch 24.8.

Der PCT ist immer wieder für Überraschungen gut. Heute morgen trafen wir „Goal tech“ ein Hiker aus Washington. Er hatte viele Süssigkeiten dabei und verteilte sie an die Hiker die vorbeikamen. Die Amerikaner sagen dem „Trail magic“. Mir kam es vor wie am schmutzigen Donnerstag wenn die Kinder in den Läden Süssigkeiten bekommen. Übernachtet haben wir beim Lake Sally Ann. 19.6 Meilen waren es heute und viele Höhenmeter. Inna hat sich am Abend verabschiedet. Sie möchte weniger laufen und steht morgen auch später auf. Ich muss jedoch mindestens 20 Meilen oder mehr laufen sonnst komme ich nie nach Kanada. Zum Znacht gab es als Zugabe sogar noch frisch gefangenen und gebratenen Fisch von einer anderen Hikerin aus der Region. 

Goal tech. Mit einem sack voller Süssigkeiten.

Bewölkt und alles feucht aber kein Regen. Das beste Hickerwetter.

Ob der Wachmann der Marmots bei diesem Wetter etwas sieht?

147.Tag  Janus Lake 23.8.

Da das Restaurant erst um 10.Uhr öffnete konnte ich es am Morgen recht gemütlich angehen. Nach einem ausgiebigen Zmorgä mit 2 Eiern, Rösti, Speckstreifen, Toastbrot mit Butter und Konfitüre und einem grossen Pancake mit viel Ahornsiroup gingen wir zu viert los. Neben Axel und Leo ist noch Inna dabei. Sie ist erst seit einer Woche auf dem Trail und geht auch nicht bis Kanada. Zuerst fuhren wir per Autostop bis zum Stevens Pass und danach ca. 10 Meilen auf dem PCT bis zum Janus Lake. Wir waren recht früh dort und gingen auch früh in den Schlafsack. Am 28. am frühen Nachmittag möchte ich in Stehekin sein. Ich habe vorhin nachgeschaut, es sind von hier etwas mehr als 98 Meilen. Das sollte gut gehen. Es sind jedoch strenge Meilen da es immer auf und ab geht.

Ich konnte noch nie so viele Tiere so lange und so nahe sehen wie auf dem PCT.

Im Laden nebenan hatten sie ein Schild für PCT Hiker vorbereitet.


 

146.Tag  Skykomish  22.8.

über den heutigen Tag gibt es eigentlich nicht viel zu schreiben. Das Restaurant machte erst um 10 Uhr auf. So war das Frühstück an diesem Tag recht spät. Die meiste Zeit habe ich am Blog geschrieben, in alten Büchern über die Stadt gelesen und viel gegessen. Vor dem Hotel ist die Strasse und gleich dahinter ist die Eisenbahn. Die fährt mitten durchs Dorf. Unter der Laube beim Hotel hat es Stühle im Schatten. Sicher den halben Tag verbrachte ich so vor dem Hotel mit  lesen und schreiben. Wenn dann wieder ein Zug mit den schweren Dieselloks vorbeifuhr war das jedesmal interessant für mich. Die schwarzen Rauchschwaden von den Loks. Ihre typischen grellen Alarmhörner welche die Lokführer oft und gerne benützen und das bimmeln einer Glocke wenn die Güterzüge beim unbewachten Bahnübergang vorbeifahren. Das alles ist für mich typisch Amerika. Das gibt es bei uns nicht. 

145.Tag   Sonnenfinsternis  21.8.

Heute stand Amerika Kopf. Sogar der Präsident schaute in den Himmel. Um Mitte Vormittag fand die Sonnenfinsternis statt. In Moses Lake nur zu ca. 95% Es wurde dann aber doch ein wenig dunkler und vor allem auch kühler. Dank eines Schweisserhelms mit automatischer Abdunkelung konnten wir das Geschehen am Himmel gut beobachten. Langsam schob sich der Mond vor die Sonne bis nur noch ein kleiner Sonnenring zu sehen war. Danach musste ich noch Essen für die nächsten 195 Meilen einkaufen. Randy half mir dabei und war mir  ein guter Berater. Ebenfalls wollte und musste ich noch mein Zelt, die Hosen und meine Schuhe reparieren. Danach ging es die lange Fahrt zurück zum Stevens Pass. Unterwegs zeigte und erklärte mir Randy vieles was man so vom Auto aus sehen konnte. In der Gegend rund um Moses Lake und hin zum Columbia River wird intensiv Ackerbau betrieben. Vom Columbia River haben sie genügend Wasser und günstigen Strom. In der Gegend werden auch die Bullen und Pferde für die diversen Rodeos in den USA gezüchtet. Wieder einmal hatte ich keine Ahnung wo ich die nächste Nacht schlafen werde. Mein Ziel war ein kleines Hotel in Skykomish. Dort angekommen war das Hotel offen jedoch kein Mensch in Sicht. Es war jedoch schon nach 9 Uhr abends. Also versuchte ich telefonisch jemand zu erreichen und siehe da der Besitzer war nicht weit weg in einer Bar. Und ein Zimmer hatte es auch noch. Super. 

Randy beim imprägnieren vom meinem Aussenzelt. Man weiss nie in Washington.

Bullen für Rodeos in den USA.

144.Tag  Schiessen in der Wüste 20.8.

Ich habe gut geschlafen in meinem Wohnwagen. Konnte am Morgen noch duschen und danach gabs einen guten Zmorgä. Interessant, es dreht sich viel ums essen. Also geträumt habe ich aber noch nie von fliegenden Hamburgern wie sie mir das prognostiziert haben. Appetit habe ich jedoch eigentlich immer. Bei Mary habe ich mich wieder einmal auf eine Waage gestellt und habe mit Schrecken festgestellt, dass ich nur noch 65 kg wiege. Das wären dann 13 kg weniger als zu Beginn meiner Wanderung. Nach dem Mittagessen ging ich für einmal in einen Gottesdienst der Mormonen. Es hat in Moses Lake viele Mormonen und ich war neugierig wie das so ist. Mit Randy dem Ehemann von Mary habe ich auch lange gesprochen an was und wie die Mormonen glauben. Aber keine Angst. Ich habe nicht vor zu konvertieren. Am frühen Abend gingen wir noch in die Wüste um zu schiessen. Das ist hier nichts ungewöhnliches und so trafen wir dann auch noch weitere Schützen an. Mit allen möglichen und unmöglichen Waffen. Ich war jetzt wirklich im wilden Westen. Ich habe mit einer Winchester und einem sogenannten Elefantengewehr, sowie diverser Pistolen und Revolver geschossen. Bei einem besonders schweren Gewehr hatte ich zunächst recht Respekt vor dem starken Rückschlag. Man muss das Gewehr nur gut halten, dann geht der ganze Körper zurück.  

Zach, Mary und Randy

Schiessen in der Wüste. Ganz nach meinem Geschmack.

143.Tag  zum Stevens Pass 19.8.

Heute wollte ich bis zum Stevenspass laufen. Ich habe mit Mary (Badger) abgemacht dass sie mich heute Abend hier abholt und ich 2 Tage bei Ihrer Familie wohnen kann. Ich kenne sie von Südkalifornien. Sie ist dort einige 100 Meilen auf den PCT gelaufen. Ich habe keine Ahnung wo sie wohnen. Um halb 2 Uhr war ich jedoch schon dort und dies obwohl ich sicher eine halbe Stunde lang Huckleberry (amerikanische Heidelbeeren) gesammelt habe. Die sind jetzt recht reif und sehr süss. Ich habe mit Mary vor 9 Tagen per SMS abgemacht und sie kam dann auch wie abgemacht mit Randy ihrem Mann zu diesem Pass. Die Fahrt danach war dann weiter als ich gedacht hätte. Fast 2.5 Stunden fuhren wir in Richtung Südosten nach Moses Lake. Eine Stadt in der Wüste mit ca. 20000 Einwohnern. Überrascht war ich, dass diese Leute in einem Wohnmobil leben. Aber alles sehr sauber und freundlich eingerichtet. Ins Bett kam ich daher erst nach Mitternacht. Ich hatte jedoch ein eigenes Wohnmobil. Nicht schlecht. 

Salvatore links und ich zwischen seinen Kollegen

Huckleberry zum Znüni.

142.Tag  Glacier Lake 18.8.

Die beiden Bayern wollten es langsamer angehen als ich. Die beiden schliefen noch tief als ich mich auf den Weg machte. Nach einigen Meilen machte ich bei einem Bach halt für mein Zmorgä. So kann ich mir das Wasserschleppen ersparen. Unterwegs lernte ich noch Salvatore aus Mexiko kennen. Er war mit 2 anderen Mexikanern für rund 100 Meilen auf dem PCT. Im Gegensatz zu den beiden anderen Gesellen war er recht schnell unterwegs und musste dann am späteren Nachmittag jeweils lange warten bis die anderen nachkamen. Es ist schon interessant. Ich verlasse mich inzwischen recht viel auf die Sonne zur Orientierung und Richtungsbestimmung. Das hätte ich mich früher nicht getraut. Am Morgen geht die Sonne im Osten auf. Also meistens rechts von mir und wandert dann im Verlauf des Tages nach hinten um dann am Abend nach links. Das heisst nach Westen. Je nachdem wie gerade es nach Norden geht. Am späteren Nachmittag kam ich an einen See mit anderen Hikern. Ich entschloss mich jedoch noch einen Pass weiter zu gehen um eventuell bis zum Glacier Lake zu laufen. Dort war ich dann allein. Ein schöner Platz am See für mich allein. Beim einschlafen bemerkte ich noch ein Chipmunk, ein Streifenhörnchen in meinem Rucksack. Also alles ins Zelt. Die sind recht frech. 

Sogar ein WC hatte ich hier.

141.Tag  Schlangensee  17.8.

Zur Zeit laufen wir nur so ca. 19 Meilen am Tag. Das heisst für heute ausschlafen. Um 6.20 Uhr war ich jedoch wach und stand auf. Unser Tagesziel war der Waptus River. Einfach gesagt ging es zuerst in ein Tal hinunter. Auf der anderen Seite auf den nächsten Berg und wieder hinunter ins Tal. In Washington geht es nur hinauf oder hinunter. Ich lief allein und machte dann bei einem kleinen Bergsee Mittagshalt. Die beiden Bayern kamen recht lange nicht nach. Wie sich herausstellte hat sich Axel diesen Vormittag den Fuss verdreht und humpelte nun hintennach. Nach dem Essen ging ich noch ein wenig schwimmen. Da dah ich bei den Felsen am Ufer eine Schlange herumschwimmen. Blöde Situation. Zwischen mir und dem Ufer eine Schlange. Ich wollte so schnell als möglich aus dem Wasser und musste dann in dem kalten Wasser an eine andere Stelle am Ufer schwimmen.   

Recht eng auf dem Felsen aber eine schöne Aussicht.

Leo und ein nicht sehr scheues Deer.